Up and down in der Lombardei
5 Mann für die UCI-Granfondo WM 2027 qualifiziert

Was vor 6 Monaten in Italien begann, sollte auch südlich der Alpen enden, und so reiste das Team Velolease vergangenes Wochenende in die Lombardei. In Varese stand mit Tre Valli Varesine nicht nur der Saisonabschluss an, sondern mit der UEC Granfondo Europameisterschaft ein absolutes Highlight zum Jahresende. Gleichzeitig galt das Rennen als Qualifikationslauf zur UCI-Weltmeisterschaft 2027 in Frankreich und das Ziel war es, möglichst alle der 7 Starter zu qualifizieren.

Am Samstag startete die Veranstaltung mit dem Einzelzeitfahren über 22 km, bei dem André Reinlein, Florian Christ und Ronny Stober an den Start gingen. Während André auf eine Zeitfahrmaschine zurückgreifen konnte, rollten Flo und Ronny auf dem Straßenrad von der Rampe. André, der im Rahmen der um den Europameistertitel fuhr, verpasste das Podium denkbar knapp und musste sich mit der Holzmedaille und Platz 4. In der M35 begnügen. Eine Top-Leistung, über die er sich nach anfänglicher Enttäuschung auch freuen konnte.
Flo lieferte auf seinem Straßenrad eine mega starke Performance und lehrte vielen auf Profi-TT-Material das Fürchten. Am Ende stand trotz einem bremsenden Motorrad ein 14. Rang in der M19-34 auf dem Papier, was die Quali für Frankreich bedeutete. Ronny musste sich in der M40 den übermächtigen Zeitfahrspezialisten geschlagen geben und verpasste die Quali leider trotz ebenfalls starker Leistung.
An dieser Stelle senden wir Genesungswünsche an Dennis Biederer vom Team Strassacker, der  in einen Unfall durch ein defektes Begleitmotorrad verwickelt war – Dennis, alles Gute !

Nach dem Zeitfahren ging es zurück in die Teamvilla und Regeneration sowie Carboloading für das Rennen am Sonntag standen auf dem Programm.

126 km und 2.100 Höhenmeter, das waren die reinen Eckdaten für den Sonntag. Das Starterfeld von knapp 5.000 Startern und der Rahmen der UEC Europameisterschaft machten klar, dass hier, Zitat Flo, keine Nichtschwimmer am Start sein würden. Mit Respekt aber ganz viel Vorfreude wurden unsere 7 Jungs an ab 9 Uhr in den verschiedenen Blöcken auf die Reise geschickt.
Die Streckencharakteristik machte die Rennstrategie einfach, denn es ging von Beginn an um Positionierung um vor den vielen kurzen, aber knackigen Anstiegen gut platziert zu sein. Bereits nach 12 km stand mit der Alpe Tedesco der erste Scharfrichter an und das Tempo auf den knapp 5 km war in allen Altersklassen mörderisch. Während sich die Top-Favoriten hier jeweils absetzen konnten, kamen unsere Jungs mit gutem Pacing und Blick auf die Streckenlänge in den ersten Verfolgergruppen auf die Kuppe und so ging es in die erste sehr technische Abfahrt Richtung Luganer See. Wer dachte, dass man sich hier erholen konnte, sollte eines Besseren belehrt werden. Es blieb bei Vollgas, egal ob die Straße aufwärts oder abwärts führte.

Quirin und Flo etablierten sich in der Verfolgung der M19 Spitze, Daniel folgte knapp dahinter und Maurice kämpfte in einer weiteren Gruppe mit breitem Grinsen um jeden Platz. Das Drama, das Flo bereits am Freitag in Form eines defekten Umwerfers ereilte, sollte sich leider fortsetzen. Erst verpasste er mit Quirin die Streckenteilung und im Anschluss erwischte er eines der zahlreichen Schlaglöcher und musste mit gebrochenem Laufrad aufgeben. Quirin fand sich in der Gruppe mit Daniel wieder und die beiden verwalteten ab diesem Zeitpunkt die Position um sich am Ende souverän die Qualifikation für Frankreich 2027 zu sichern. 

In der M35 dasselbe Bild – Knallgas in der Alpe Tedesco und André sortierte sich hier direkt hinter den extrem starken Favoriten ein. Was folgte war ein Ausscheidungsfahren über 100 Kilometer, dass das Spitzenfeld in 3 kleine Gruppen aufteilte. Nach vorne und hinten Luft, sammelte André seine Kräfte um am letzten Anstieg hoch nach Varese noch genug Reserven zu haben. Das klappte und mit einer letzten Attacke holte er sich einen starken Platz 21 und damit souverän die Quali für die WM 27.

In der M40 wurde Ronny eine nicht optimale Position an der Alpe Tedesco zum Verhängnis. Ein auf der Strecke befindlicher RTW bremste einen Teil des Feldes aus und Ronny musste knapp 20 Sekunden warten, bis es weiterging. 100 Fahrer waren weg und so hieß es das Beste daraus zu machen. In gewohnter Manier spielte Ronny die Lokomotive in seiner Gruppe, doch der Kampf war leider aussichtslos und am Ende nicht von Erfolg gekrönt. So heißt es für ihn gemeinsam mit Maurice nachsitzen für die WM-Quali, was die beiden aber sicher mit Bravour erledigen werden.

Stefan stand in der M55 am Start und gemeinsam mit dem deutschen Granfondo Weltmeister Michale Schäfer ging es nach dem gleichen Muster durch die Lombardei. Ab dem ersten Meter wurde Radrennen gefahren und so fuhr man bereits am ersten Anstieg viele Fahrer der vorderen und deutlich jüngeren Altersklassen auf. Stefan erwischte einen guten Tag und hielt sich akribisch an seinen Rennplan.  Während sich an der Spitze etwa 10 Mann absetzen konnten, rollte er im ersten Feld in Richtung Lago Maggiore und versuchte kräfteschonend seine Gruppe zu halten, was auch gelang. Am See angekommen, forcierte dann der deutsche Mitstreiter Hartwig Spors das Tempo und es formierte sich eine gut harmonierende Gruppe, die zügig in Richtung Varese fuhr. Am letzten Anstieg hieß es dann noch einmal tief gehen und alle Kräfte mobilisieren, schließlich konnte jede Platzierung entscheidend sein. So kam es am Ende sogar noch zum Zielsprint um die Plätze und Stefan sicherte sich mit Platz 36. in seiner AK überzeugend seine zweite WM-Qualifikation nach Glasgow 2023. Eine Erleichterung nach dem DNF vom Ötztaler, die man ihm auch anmerkte.

Varese war eine Reise wert. Ein tolles Rennen auf derart hohem Niveau, das man so in Deutschland nicht findet. Die Europameisterschaft trug nochmal stärker dazu bei, sorgte mit den zahlreichen Landestrikots aber auch für eine großartige Atmosphäre. 
Mit diesen Eindrücken geht es nun in die Offseason, man sieht sich 2027.

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Bildernachweise: Teamfotos und Portraits von Cleanframework, Leon Zöller, Siegen;Rennbilder von Sportfotograf oder Team Velolease privat
 

 

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